Vaterschaftstest

Der Vaterschaftstest ist die Überprüfung von Regionen der DNA verschiedener Personen, um eine Verwandtschaft festzustellen.
Vaterschaftstests heißen offiziell Abstammungsgutachten und wurden ursprünglich in Gerichtsverfahren (hauptsächlich in Sorgerechtsverfahren) auf Anordnung des Richters durchgeführt. Mittlerweile gibt es private Anbieter, welche diesen Test auch für Privatpersonen anbieten.

Methoden

Im Gegensatz zum früher üblichen Blutgruppentest, der eine Vaterschaft zwar in vielen Fällen ausschließen, aber sie nie belegen konnten, bietet ein DNA-Vaterschaftstest einen fast hundertprozentig sicheren, positiven wie auch negativen Vaterschaftsnachweis. Auch die Analyse der HLA-Antigene und anderer Proteine, die Bestandteile von Blutgruppensystemen verwendeten, sind nicht so sicher wie die heutigen Methoden des Fingerprinting.

Die modernen Methoden des Vaterschaftstests beruhen alle auf DNA-Analysen. Durch das Fingerprinting werden so genannte VNTRs (variable number of tandem reperats) untersucht, die auch Minisatelliten-DNA genannt werden und die bei jeden Individuum in einer unverwechselbaren Längen bzw. Kombination auftreten. Mit PCR-Technik (Polymerase-Kettenreaktion) werden VNTRs enthaltende DNA-Abschnitte verfielfältigt und können mit Gelelektrophorese aufgetrennt und sichtbar gemacht werden. Da die VNTRs bei jedem Menschen unterschiedlich lang sind, ergibt sich für jeden Menschen ein spezifisches Bandenmuster. Das Ergebnis ist um so sicherer, je mehr der Regionen auf Übereinstimmung geprüft werden. Die Deutsche Ärztekammer empfiehlt, mindestens 16 dieser Regionen testen zu lassen (etwa 50 gibt es insgesamt). Jeweils 50% der Banden müssen mit denen je eines Elternteils übereinstimmen.

Die für den Test benötigte DNA kann z. B. mit Hilfe einer Speichelprobe (Mundschleimhautzellen), Haaren, Hautzellen, benutzten Windeln/Taschentüchern, Schnullern, Zahnbürsten, Kaugummis oder anderen zellhaltigen Materialien gewonnen werden.

Bereits während der Schwangerschaft ist ein Vaterschaftstest möglich, welcher jedoch mit einem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt verbunden ist. Daher wird dieser in der Regel nur dann durchgeführt, wenn ohnehin eine Gewebeprobe mittels Fruchtwasseruntersuchung entnommen werden muss, weil man z. B. eine Erbkrankheit oder andere Anomalien befürchtet.

Gesetz und heimliche Vaterschaftstests

Am 12. Januar 2005 entschied der Bundesgerichtshof, dass heimliche Vaterschaftstests weder als Beweis vor Gericht zulässig seien, noch als berechtigter Zweifel für ein Vaterschaftsanfechtungsverfahren dienen könne. Zusätzlich verletzten derartige Tests, laut Urteil, das Persönlichkeitsrecht des Kindes. Damit der Test gerichtlich verwertbar sei, müsse er entweder von beiden Erziehungsberechtigten gewollt gewesen sein oder gerichtlich angeordnet werden. Hingegen galt nach einer Entscheidung eines Münchener Gerichts aus dem Jahr 2003 (Az. 17HK 0 344/03), dass solche heimlichen Tests legal seien und nicht das Persönlichkeitsrecht des Kindes verletze. Aufgrund dieser widersprüchlichen Rechtssprechung wird das Bundesverfassungsgericht in dieser Sache noch entscheiden müssen.

Männer, die vor Gericht ihre Vaterschaft anfechten wollen oder auch einfach "nur" Gewissheit haben wollen, müssen nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes andere "konkrete Anfechtungsgründe" belegen, um einen gerichtlichen Vaterschaftstest anordnen lassen zu können, und dürfen sich derzeit nicht auf das Ergebnis eines heimlichen Tests berufen. Als "konkrete Anfechtungsgründe" sind denkbar:

  • nachweislich keine eigene Beziehung mit der Mutter zu der Zeit, als das Kind gezeugt wurde
  • eine nachweisliche räumliche Trennung zum Zeugungszeitpunkt
  • ärztlich bescheinigte krankheitsbedingte Unmöglichkeiten wie Hodenkrebs oder Zeugungsunfähigkeit

Daraufhin kann ein Richter einen Vaterschaftstest anordnen. Das Ergebnis dieses gerichtlich angeordneten Tests gilt dann als Beweis. Äußerliche Merkmale kommen in der Regel nicht als Verdachtsmomente in Betracht. Wenn keine auffälligen Ähnlichkeiten mit dem eigenen Kind bestehen, ist dies kein zuverlässiger Hinweis darauf, dass eine Verwandtschaft ausgeschlossen ist.

Gendiagnostikgesetz

Im geplanten Gendiagnostikgesetz sollen ab 2006 Vaterschaftstests ohne Einverständnis beider Elternteile verboten werden. Das geplante Verbot ist umstritten, in einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen [1] (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,2249502,00.html) sprachen sich 71% der Befragten für eine Beibehaltung der Möglichkeit anonymer Vaterschaftstests und gegen die Bestrafung aus. Dabei wird u.a. von Väterorganisationen und Gegnern des geplanten Gesetzes argumentiert, dass nach §169 StGB (Personenstandsfälschung) das Unterschieben eines Kindes eine Straftat darstellt, die nun durch das geplante Gesetzesvorhaben verschleiert und das Aufdecken dieser erschwert werde, was einem Täterschutz gleichkomme. Darüber hinaus gehöre es zum Persönlichkeitsrecht eines jeden Kindes, seinen wahren Vater zu kennen, was sowohl in erbrechtlichen Fragen als auch in medizinischen Aspekten wie Vorsorgeuntersuchung etc. von großer Bedeutung sein kann. Ebenso habe ein Mann das Recht zu wissen, ob das Kind, um welches er sich sowohl finanziell als auch sozial sorgen muss, von ihm sei.

Inzwischen gibt es eine Petition beim Bundestag gegen das Verbot heimlicher Vaterschafttests und eine weitere Petition einer Pro-Test-Initiative, bei der noch unterschrieben werden kann, ist in Arbeit.

Bei den derzeit eingereichten Vaterschaftstests in Deutschland wird bei 75% die Vaterschaft bestätigt, bei 25% stellt sich Gegenteiliges heraus. Allerdings sagt diese Statistik nichts darüber aus, wieviele Kinder sonst dem falschen Vater untergeschoben werden, denn es wird üblicherweise meist nur dann ein Vaterschaftstest gemacht, wenn die Vaterschaft angezweifelt wird oder man aus anderen Gründen (Krankheiten, Erbe) absolute Sicherheit darüber braucht.

Weblinks